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Auf eine Tasse Kaffee mit Regina Beck

19. August 2013

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Regina «Ria« Beck ( 84 ),  ist seit 65 Jahren treues Mitglied der AWO und im unterfränkischen Kitzingen zu Hause.

AWO Journal: Frau Beck, Sie wohnen nicht im Seniorenzentrum, sondern sind heute nur zu Besuch hier, oder?

Regina Beck: Wir, also die Mitglieder vom AWO Ortsverband Kitzingen, treffen uns im Wilhelm-Hoegner-Haus alle 14 Tage zum geselligen Nachmittag. Ich bin rüstig genug, um noch Auto zu fahren und meinen Haushalt zu führen. Aber wenn das nicht mehr möglich ist, würde ich hier einziehen – schließlich war ich maßgeblich an der Mitbegründung dieser Einrichtung beteiligt und natürlich bei der Eröffnung 1968 dabei.

Damals waren Sie 40 Jahre – nicht gerade ein Alter, in dem man sich Gedanken über pflegebedürftige Senioren macht. Warum war Ihnen dieses Thema wichtig?

Das soziale Miteinander lag mir schon immer am Herzen. Man sollte Verständnis für die Bedürfnisse anderer haben, ihnen zuhören, selbst wenn die Zeit knapp ist. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der auf Gemeinschaft viel Wert gelegt wurde. Es gehört ja auch zur Philosophie der AWO, die ich durch meine Verwandtschaft schon früh kennenlernte. Mit gerade mal 20, am 1. April 1948, wurde ich schließlich Mitglied. Schauen Sie, das ist mein Ausweis: 50 Pfennige betrug damals der monatliche Beitrag, der mit einer Marke quittiert wurde. Heute sind es 2,50 Euro – also immer noch sozial verträglich.

Wie haben Sie sich nach dem Krieg als AWO Mitglied einbringen können?

In der ersten Zeit  stand die Speisung von Hilfsbedürftigen an erster Stelle; das war eine Art »Tafel«. Später ging es darum, Kindern Gutes zu tun. Ich hatte zum Beispiel einen Handwagen, mit dem ich von Geschäft zu Geschäft marschierte und um Sachspenden bat. Die gab es dann als Gewinn auf der Kirchweih, wo ich einen Los-Stand hatte. Mit dem Erlös konnten wir Kinder zu Stadtranderholungen schicken.

Haben Sie selbst auch Kinder?

Ja, sogar fünf! Die zog ich teilweise alleine auf, denn mein Mann ist jung, mit 44 Jahren, verstorben und ich musste Geld für die Familie verdienen.
Erstaunlich, dass Sie bei dieser Doppel-Belastung noch Kraft und Muße für andere hatten.

Ich will immer, dass alle Menschen glücklich sind. Ich organisierte jahrelang die Kinderfreizeiten, bei denen auch meine Buben und Mädchen dabei waren. Das waren schöne Zeiten. Der Zusammenhalt tut gut und auch das Beisammensein mit anderen. Ich bin hier in meinem Viertel bekannt wie ein bunter Hund, weil ich überall ein bisschen mitmische: Ich bin im Romméclub, mach gern Handarbeiten, geh in die Kirche und natürlich zu den AWO Feierlichkeiten. Außerdem überwintere ich seit zehn Jahren in Florida, wo meine Tochter wohnt. Kurz: Ich lebe gern, obwohl ich zwischenzeitlich sehr krank war.

Was gibt Ihnen die Zuversicht?

Jeder Mensch braucht etwas zum Anhalten. Bei mir sind es der Herrgott und die Arbeiterwohlfahrt.

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