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Auf und davon – Reisen in der Heimat

3. Juli 2017

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© Eric Langerbeins, COMMWORK Werbeagentur GmbH

»Jetzt oder nie!«, denken sich immer mehr Menschen jenseits der 60 und machen sich auf zu lang ersehnten Reisezielen. Der Beruf hängt am Nagel, die Kinder brauchen ihre Eltern nicht mehr ganz so dringend, das Haus ist abbezahlt. Man sucht Abwechslung vom Alltag, will den eigenen Horizont erweitern oder einfach mal etwas Außergewöhnliches erleben.

Die Voraussetzungen sind ideal: Ein Großteil der heutigen Generation 60plus ist finanziell und zeitlich unabhängig, rüstig und vor allem unternehmungslustig. Anders als noch vor einigen Generationen bringen die Seniorinnen und Senioren von heute oft auch schon einen ganzen Koffer an Reiseerfahrung mit.

Mit Anfang 20 zuckelte man im vollbeladenen Buckelvolvo in die Normandie, flog mit der preiswerten, aber nicht ganz ungefährlichen Fluggesellschaft Spantax nach Ibiza, erkundete später mit Freunden die Adria und bestaunte jüngst vielleicht sogar eine Horde Elefanten auf einer Fotosafari in Afrika.

Heute steht die eigene Heimat auf Platz 1 der beliebtesten Reiseziele der Deutschen, egal welchen Alters.

Anders als in vielen anderen Urlaubsländern Europas stimmt hier das Preis- Leistungsverhältnis, die Reisezeiten sind überschaubar und so ein Trip per Bahn, Reisebus oder Pkw ist deutlich klimafreundlicher als ein mehrstündiger Flug. Auch die Sicherheit spielt eine immer größere Rolle bei der Wahl des Reiseziels. Durch politische Unruhen und Terrorwarnungen wird es schwieriger denn je, vormals beliebte Urlaubsregionen sorglos zu bereisen. Diese Entwicklungen machen das Land vor der eigenen Haustür attraktiver denn je. Davon profitieren auch Senioren. Denn längst haben sich deren eigene Ansprüche und Bedürfnisse in Sachen Reise geändert. Möglichst komfortabel sollte der Urlaub für die meisten sein, auch die vertraute Kultur und Sprache spielen für viele eine wichtige Rolle. Und nicht zuletzt ist man neugierig auf das eigene Land, in dem man vielleicht schon über 60 Jahre lang lebt, von dem man aber nur Bruchstücke kennt. Entweder, weil man bislang gar keine Zeit oder auch kein Geld zum Reisen hatte oder weil man lieber ins Ausland gereist ist. So wird wohl mancher feststellen, dass er zwar fast alle Inseln Griechenlands bereist hat, das Elbsandsteingebirge aber nur aus der Wanderzeitschrift kennt. Dass er Rom, Barcelona und Paris besucht hat, nie aber Weimar oder Husum.

Reiseveranstalter haben das Potenzial längst erkannt. Das Angebot ist riesig: Gruppenreise oder Individualurlaub, Kultur oder Strand, Wandertrip oder Wellnesshotel – alles ist möglich. In Katalogen und auf Werbeplakaten prangen Wälder wie aus dem Märchenbuch, prächtige Schlösser, Traumstrände und imposante Museen. Deutschland hat all das zu bieten – ganz ohne Langstreckenflug und Jetlag. Höchste Zeit also für ein bisschen Fern- (pardon!) Heimweh!

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