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Das geliehene Fahrrad

13. August 2012

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von dem Gast-Autor Helmut Badem aus dem AWO Seniorenzentrum Waldbröl

Ich war in meiner Jugend in einer Gruppe der katholischen Jugend. Alle Gruppenmitglieder hatten einen Gruppennamen. Ich erhielt den Namen »Jim«.

Unser Gruppenführer hieß mit Vornamen Karl-Josef. Aber wir nannten ihn immer »Joffes«. Joffes besuchte damals eine höhere Schule; eines Tages musste Joffes eine Studienfahrt nach England machen. Für uns andere in der Gruppe war sofort klar, dass unsere nächste Gruppenfahrt auch nach England gehen sollte, genau zu dem Zeitpunkt, als Joffes auch in England war.

Wir bereiteten alles vor, machten sogar einen Erste-Hilfe-Kurs, um auch im Ernstfall, sollte etwas unterwegs passieren, Erste-Hilfe leisten zu können.

Aber dann hatte ich ein Problem. Mein Fahrrad war Marke »Eigenbau« und ich sollte es nicht auf die Fahrt mitnehmen. Also musste ein neues Fahrrad her, aber wovon? Dann kam mir der Zufall zu Hilfe. Wir mussten kurz vor Reiseantritt unserem Gruppenführer unsere Räder vorstellen, um zu sehen, ob auch wirklich alles in Ordnung war. Mein Cousin hatte damals bereits eine Dachdeckerlehre angefangen und durfte sich von seinem ersten Gehalt ein Fahrrad kaufen. Ganz stolz kam er damit bei uns vorgefahren, was ich sofort ausnutzte. »Komm, ich mach mal eben eine Probefahrt!« sagte ich zu ihm und fuhr mit dem Fahrrad zu unserem Gruppentreffen. Also durfte »Jim« mitfahren, er hatte ja ein neues und tadelloses Fahrrad.

Zum Glück war Joffes am Tag der Abreise nicht dabei. Er fuhr ein paar Tage früher nach England. Am Tag der Abreise hatte ich ja wieder mein altes Rad, Marke »Eigenbau«. Joffes sah das Rad erst in England, grinste aber sagte kein Wort.

Mein Eigenbau-Fahrrad hielt übrigens noch viele Jahre. Ich fuhr später noch lange damit zur Arbeit. Joffes verlor nie wieder ein Wort darüber, er wusste ja, wie gerne ich auch mit nach England wollte.

 

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