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Der Hosenkauf

1. August 2012

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von der Gast-Autorin Ursula Schüren aus dem AWO Seniorenzentrum Feierabendhaus in Bad Salzuflen

Solange ich zurückdenke, habe ich immer Röcke getragen. Mein Mann redete mir immer ein, für Hosen würden meine Beine zu kurz. Oder war da das alte Muster im Spiel, dass in einer Ehe der Mann die Hosen anhat? Als er mich nach langer Krankheit allein zurückließ, musste ich einen neuen Rhythmus für mein Leben finden, das Witwen-Dasein neu gestalten. Auf langen Waldspaziergängen klärten sich die Gedanken und Gefühle, der Blick konnte sich nach vorne richten. Mit einer Bekannten begann ich das Schach-Spielen. Bei so einer Gelegenheit sagte sie zu mir:

»Jetzt ist Schluß mit den Faltenröcken, nun werden Hosen gekauft!“

Wir fuhren also nach Herford in eine Hosen-Fabrik, wo auch Direktkauf möglich war. In dem großen Raum hingen Tausende von Hosen, alle Größen und Muster. Meine Bekannte suchte zusammen mit einer netten Verkäuferin das Passende aus und präsentierte es mir zur Anprobe. Ich entschied mich für eine Hose und hoffte, es richtig gemacht zu haben. Aber nun kamen andere Probleme auf mich zu: Die Blusen und Pullover, die ich zu den Röcken getragen hatte, harmonierten nicht mit der Hose. Also kaufte ich neue Pullover, statt Mantel musste ein Anorak her, statt hochhackiger Schuhe nun flache. Was hatte ich mir da zugemutet?

Und dann hatte ich einen Traum: Ich ging mit meinem Mann spazieren. Wir plauderten wie üblich, als er sich zu mir umdrehte, mich musterte und dann sagte: »Das steht Dir eigentlich ganz gut, es gefällt mir!« Nanu, sollte ich seine Zustimmung für meine neue Kleidung gebraucht haben??

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