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Gut betucht

13. März 2015

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Hildegard Lotz aus dem AWO Sozialzentrum »Horst-Schmidt-Haus«

In unserer neuen Serie, die in lockerer Folge im AWO Journal erscheinen wird, stellen wir Bewohner und ihre liebste Freizeitbeschäftigung vor. Den Anfang macht Hildegard Lotz aus dem AWO Sozialzentrum »Horst-Schmidt-Haus« im hessischen Heusenstamm. Ihre Passion: Seidenmalerei.

Dass Frau Lotz ein Gespür für Farben hat, sieht man mit einem Blick: Ihr schwarz-weißes Outfit ist perfekt aufeinander abgestimmt. Hingucker mit Pepp: das gepunktete Seidentuch, das die 87-Jährige umschmeichelt und ihre fröhlichunkomplizierte Art unterstreicht.

Gerade beugt sie sich über ein im Spannrahmen geklemmtes Stück Seide und zeichnet rosa Blüten nach. »Obwohl ich schon dutzende Tücher auf diese Weise gestaltet habe, kommt doch immer wieder ein neues Muster dabei heraus – das mag ich an der Seidenmalerei«, sagt die Bewohnerin, die mehrmals in der Woche die Kreativwerkstatt des »Horst-Schmidt-Hauses« besucht, um ihrem Hobby zu frönen.

Es ist eine Art Batiktechnik, die zum Beispiel in Japan als »Shibori« eine lange Tradition hat. Zuerst zeichnet man die Konturen des Motivs auf und zieht die Linien langsam mit dem farblosen Konturmittel (= Gutta) nach. Dafür ist eine ruhige Hand gefragt. Der schönste Teil ist das Ausmalen. Zum Schluss wird alles mit dem Bügeleisen fixiert. Frau Lotz arbeitet am liebsten mit der Salztechnik, bei der einige Körner auf das Tuch aufgetragen werden, bevor die Farbe trocken ist. Dadurch entstehen verschiedene Effekte, die jedes Mal anders ausfallen.

Die Unikate der Bewohnerin werden auf den vom Seniorenzentrum veranstalteten Märkten verkauft und sind sehr gefragt. Ihre kreative Ader hat die frühere Arzthelferin erst spät entdeckt. »Als berufstätige Mutter von zwei Kindern hatte ich keine Zeit für so etwas«, sagt Frau Lotz und zeigt dabei auf den Haufen pastellfarbener Seidentücher, die wie zart getuschte Wolken aussehen. Mit der Rente konnte sie sich endlich auf ein Hobby einlassen. Ihr Mann, ein früherer Malermeister, gab den entscheidenden Anstoß. Und so schloss sich das Ehepaar den »Offenbacher Freizeitkünstlern « an, einem Verein, der die Kunst und künstlerische Weiterbildung fördert. Gemeinsam mit Gleichgesinnten setzten die beiden ihre Ideen auf Leinwand und Zeichenblock um, erlernten verschiedene Stilrichtungen und experimentierten mit Aquarell-, Wachs- und Landschaftsmalerei, mit Collagen, Gouache und mit Acryl. »Es machte großen Spaß! Wir nahmen sogar an Ausstellungen teil«, erzählt Hildgard Lotz. Die Freude am Spiel mit Farben ist geblieben, und mit der Seidenmalerei hat die Seniorin eine neue künstlerische Ausdrucksform gefunden. – Und Ihr liebster Ort im AWO Haus? Natürlich das Atelier!


Lust auf Seidenmalerei?

Zahlreiche Volkshochschulen bieten Kurse in Seidenmalerei. Wo sich die nächste VHS in Ihrer Nähe befindet, erfahren Sie unter www.vhs.de .Viele Tipps, Tricks und Arbeitsschritte-Fotos stehen in dem inspirierenden Praxisbuch »1 x 1 Seidenmalerei: Das Grundlagenwerk der Seidenmalerei« (Frech Verlag 2012, 28 €).

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