Das Online Magazindes AWO Magazins für Seniorenzentren

Lebensspuren 4/10: Maria Bürgers, 93, aus dem AWO Seniorenzentrum Josefstift in Fürstenfeldbruck

5. Juni 2014

4
Maria Bürgers

Was prägt uns, gibt uns Halt und Orientierung? Welche Ereignisse, Menschen und Momente bleiben unvergesslich? Zehn Bewohnerinnen und Bewohner aus AWO Seniorenheimen erzählen von ihren Erfahrungen – begleitet von Weisheiten, die zur jeweiligen Biografie passen und die sich wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen.

Maria BürgersMARIA BÜRGERS, 93, AUS DEM AWO SENIORENZENTRUM JOSEFSTIFT IN FÜRSTENFELDBRUCK:

»Wir drei Geschwister wuchsen bei Duisburg auf. Vater war auf der Zeche und bekam alle zehn Tage seinen Lohn. Ich ging schon mit 14 in die Landwirtschaft. Damals sagte der Arzt, ich sei noch gar nicht ausgewachsen. Trotzdem musste ich schwere Körbe voll mit Zuckerrüben tragen. Bei Kriegsbeginn wurde meine Mutter mit unserem kleinen Bruder nach Magdeburg evakuiert, während ich bei unserem Vater blieb. Immerhin mussten wir durch die Arbeit auf dem Feld keinen Hunger leiden. Bei einem Bauern lernte ich meinen späteren Mann kennen. Der wohnte auch mit seinem Vater allein und war froh, als ich ins Haus und in sein Leben kam. Seit ich denken kann: Arbeit. Ich verkaufte Eis mit dem Karren, Brötchen im Korb und ging bei kinderreichen Familien putzen. Ich war kein einziges Mal in Urlaub und ganze drei Mal im Kino. Gefehlt hat es meinem Mann, mir und unserem Sohn aber an nichts. Wenn Besuch kam, wurde kräftig aufgetischt. Schließlich haben wir alles selber gemacht: geschlachtet, gewurstet, gebacken. Vier Wochen vor unserem 40. Hochzeitstag starb mein Gatte an Speiseröhrenkrebs. – Jung sein und Kinder haben, das würde ich heute nicht mehr gerne. Bei den Mieten bleibt doch nichts mehr übrig.«

 

»AM ENDE GILT DOCH NUR, WAS WIR GETAN UND GELEBT – UND NICHT, WAS WIR ERSEHNT HABEN.«
ARTHUR SCHNITZER (österreichischer Dramatiker,1862-1931)

 

Kommentar schreiben