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Lebensspuren 5/10: Maria Ries, 76, aus dem AWO Seniorenzentrum Josefstift in Fürstenfeldbruck

11. Juni 2014

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Maria Ries, 76, lebt in einer separaten Wohnung des AWO Seniorenzentrums Josefstift in Fürstenfeldbruck

Was prägt uns, gibt uns Halt und Orientierung? Welche Ereignisse, Menschen und Momente bleiben unvergesslich? Zehn Bewohnerinnen und Bewohner aus AWO Seniorenheimen erzählen von ihren Erfahrungen – begleitet von Weisheiten, die zur jeweiligen Biografie passen und die sich wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen.

Maria Ries, 76, lebt in einer separaten Wohnung des AWO Seniorenzentrums Josefstift in FürstenfeldbruckMARIA RIES, 76, LEBT IN EINER SEPARATEN WOHNUNG DES AWO SENIORENZENTRUMS JOSEFSTIFT IN FÜRSTENFELDBRUCK:

»Meine Kraft schöpfe ich aus der Natur und aus Gottvertrauen. Ich wuchs als Einzelkind im Taunus auf und erinnere mich noch genau an das letzte Kriegsjahr. Mein Vater wurde aus politisch- religiösen Gründen von der Gestapo verfolgt, aber wir haben überlebt. Kurz nach Kriegsende wurde ich sehr krank, hatte fast schwarzes Blut und bekam einen Aderlass. Doch dann ging es wieder bergauf. Ich lernte mit 21 meinen späteren Mann kennen, und zwar durch eine Zeitungsannonce in der »Constanze«. Ich schrieb dem Inserenten, der sich als Diplom-Ingenieur im brasilianischen Urwald aufhielt und als Interessen › Musik, Reisen und Sprachen ‹ angab. Das gefiel mir. Wir lernten uns an Ostern kennen, und an Pfingsten waren wir verlobt. 1961 kam unser Sohn Gregor zur Welt, und als mein Mann wieder nach Brasilien sollte, sind wir einfach mitgegangen. Wir haben noch einen zweiten Sohn bekommen und wurden später in Hannover sesshaft. 2001 starb mein Mann nach einer Operation. Da beschloss ich, einen Teil unseres Hauses als Pension zu führen. »Ihr Zuhause für unterwegs« nannte ich mein Angebot. 2007 lernte ich meinen heutigen Partner kennen – er war Gast in meiner Pension und überraschte mich eines Tages mit einem Anruf und den Worten: ›Ich habe Schmetterlinge im Bauch wegen Ihnen. ‹ Als ich vor drei Jahren zu meinem Sohn nach Fürstenfeldbruck ziehen wollte, war es für Christian keine Frage mitzukommen. Ich habe diesen Schritt noch keinen Tag bereut.«

 

»WAS WÄRE DAS LEBEN, HÄTTEN WIR NICHT DEN MUT, ETWAS ZU RISKIEREN? AM ENDE GILT DOCH NUR, WAS WIR GETAN UND GELEBT – UND NICHT, WAS WIR ERSEHNT HABEN.«
VINCENT VAN GOGH (niederländischer Maler, 1853-1890)

 

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