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Schwach auf der Blase?

13. März 2018

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© christophe papke | photocase.com


»Mein Tinnitus«, »mein Heuschnupfen«, »meine Migräne« – es gibt Beschwerden, über die wir locker sprechen können. »Meine Blasenschwäche« gehört bisher nicht dazu. Dabei ist in Deutschland etwa jeder zehnte Mensch davon betroffen. Vor allem im Alter ist Blasenschwäche weit verbreitet. Darüber zu reden kostet viele Überwindung, kann aber sehr entlastend wirken. Außerdem erhält man so vielleicht die Möglichkeit, von den Tipps der Anderen zu profitieren. Denn es gibt einige Wege, den Alltag mit Blasenschwäche zu erleichtern.

Die Ursachen für Inkontinenz sind verschieden. Häufige Blasenentzündungen und Bindegewebsschwäche gelten als Risikofaktoren. Der sinkende Östrogenspiegel in den Wechseljahren kann ein Grund dafür sein. Geburten schwächen die Beckenbodenmuskulatur, ein sicheres Verschließen der Blase wird erschwert. Bei Männern führen vor allem häufige Probleme mit der Prostata zu Inkontinenz. Auch Unterleibsoperationen, Diabetes, eine Beckenbodensenkung, Blasensteine oder anhaltendes Husten können Blasenschwäche nach sich ziehen. Selten kann ein Tumor für eine Inkontinenz verantwortlich sein. Da dieser umso besser behandelt werden kann, je früher er entdeckt wird, sollte jeder Mensch, der Beschwerden mit der Harnblase hat, einen Arzt aufsuchen. Und auch bei vergleichsweise harmlosen Ursachen kann medizinischer Rat schließlich nicht schaden.

Frühzeitig vorzubeugen, kann die Wahrscheinlichkeit, an Blasenschwäche zu leiden, in vielen Fällen senken. Den Beckenboden zu trainieren, ist in jedem Alter und für jedes Geschlecht sinnvoll. Damit es nicht zu einer Blasenentzündung kommt, empfiehlt es sich, Füße und Unterleib stets warm zu halten, luftdurchlässige Unterwäsche zu tragen, milde Waschlotionen zu verwenden und auf ein gesundes Immunsystem zu achten.

Oft ist auch ein falsches Trink- und Toilettenverhalten für eine geschwächte Blase verantwortlich. Im Idealfall nimmt man mindestens zwei Liter Flüssigkeit (am besten Wasser oder ungesüßte Tees) – über den Tag verteilt – zu sich. Wasser lassen sollte man, wenn die Blase voll ist – nicht vorher. Den Gang zur Toilette bis zum »Gehtnichtmehr« aufzuschieben, ist ebenso schädlich. Auf der Toilette selbst ist es wichtig, ruhig abzuwarten, bis die Blase vollständig entleert ist. Manchmal kann es auch helfen, dazu die Position leicht zu variieren, also zum Beispiel erst mit Katzenbuckel zu sitzen und sich dann aufzurichten.

Nicht nur beim Urinieren selbst kann Stress auf die Blase schlagen. Atem- und Achtsamkeitsübungen dienen auch der Blasengesundheit. Körperliche Belastung, vor allem schweres Heben, sollte man vermeiden – damit ist auch Übergewicht gemeint! Auf Sport komplett zu verzichten, ist bei Blasenschwäche nicht notwendig. Nur ruckartige Bewegungen sind ungeeignet. Statt Basketball und Trampolin springen sollte man also auf Sportarten wie Radfahren, Pilates und Yoga zurückgreifen. Auch Schwimmen hat viele positive Effekte auf die Blase. Wer Bedenken hat, im Schwimmbecken Urin zu verlieren, kann auf Badebekleidung mit speziellen Sicherheitseinlagen zurückgreifen.

Bestimmte Nahrungsmittel sind dafür bekannt, bei Blasenschwäche zu helfen. Kürbiskerne zum Beispiel wirken beruhigend und stärkend auf die Blase. Außerdem haben sie – ebenso wie Cranberrys – entzündungshemmende Eigenschaften. Salbei, Löwenzahn, Brennnessel, Melisse, Johanniskraut, Spitzwegerich – es gibt viele Tees, die bei Blasenschwäche Linderung versprechen. Welcher am besten anschlägt, muss man einfach ausprobieren: »Abwarten und Tee trinken« also.

Ergänzend zu Schulmedizin und Hausmitteln kann Osteopathie bei Blasenschwäche zu Erfolgen führen, zum Beispiel, wenn verklebte Faszien im Beckenbereich die Blasenfunktion einschränken. Es kann die Lebensqualität entscheidend verbessern, bei Blasenschwäche nichts unversucht zu lassen. Man sollte aber auch wissen, wann der Punkt erreicht ist, sie — in gewissem Maße — anzunehmen und sich nicht unnötig zu quälen. Inkontinenzwäsche wird immer attraktiver und ist schon heute unter der Kleidung von regulärer Unterwäsche nicht zu unterscheiden.

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