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washabich.de – Sprechen Sie medizinisch?

3. März 2012

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Diskrete Bursitis subacromialis-subdeltoidea. Orthotope lange Bicepssehne mit leicht vermehrter Flüssigkeit im Sulcus bicipitalis wie bei geringer Peritenditis. So oder so ähnlich lauten Entlassungsbefunde aus dem Krankenhaus oder der Befund aus dem Labor, vom Zahnarzt, Orthopäden, Allgemeinmediziner oder jedem anderen Arzt. Für Patienten, die nicht selbst Medizin studiert haben und diese Sprache verstehen, können selbst harmlose Befunde zu großen Ängsten führen.

Eine, die weiß, wovon hier gesprochen wird, ist Anja Kersten. Die Dresdnerin studiert im 12. Semester Medizin, kennt sich also im Dschungel des Ärztejargons bestens aus und hat vor allem eines schnell erkannt. Als immer häufiger Verwandte und Bekannte mit der Bitte um Übersetzung ihrer Befunde auf sie zukamen, wurde der engagierten und zugleich passionierten Studentin klar, wie beunruhigt die Menschen in der Regel aus dem Krankenhaus oder von ihrem Arzt nach Hause geschickt werden.

Sie fasste den Entschluss, dies schnellstmöglich zu ändern. Kurzerhand setzte sie sich mit ihren Freunden Johannes Bittner und Ansgar Jonietz zusammen und in wenigen Wochen stampften sie den ersten kostenlosen so genannten Online-Übersetzungsservice für Patienten aus dem Boden.

Seitdem übersetzen engagierte Medizinstudenten aus höheren Semestern unter www.washabich.de das Fachchinesisch in allgemeinverständliches Deutsch.

Bisher arbeiten um die 400 Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet ehrenamtlich für den Online-Übersetzungsdienst. Und Anja Kersten ist mit ihren zwei Kollegen aus dem Marketing und der IT täglich auf der Suche nach weiteren freiwilligen Übersetzern. Denn mit rund 4.500 eingegangenen Befunden allein 2011 hat das kostenlose Angebot des Online-Portals den Nerv vieler Patienten getroffen. Mittlerweile engagieren sich neben den Studenten auch zahlreiche Ärzte und Krankenhäuser, die mit fachlichem Rat zur Seite stehen.

Besonders viel Wert legt Anja Kersten darauf, dass unter washabich.de ausschließlich die reine Übersetzung angeboten wird. Da sich das Team keinen Überblick über die gesamte Krankengeschichte der Patienten anhand des Befunds machen kann, werden keinerlei Therapieempfehlungen oder Ähnliches ausgesprochen. Das heißt, der Besuch beim Arzt wird durch diesen Online-Dienst keinesfalls ersetzt, sondern vielmehr unterstützt. Aufgrund der starken Nachfrage wurde zurzeit ein Wartezimmer eingerichtet. Umso mehr freuen sich Anja Kersten und ihr Team deswegen um weitere freiwillige Unterstützer.

Informieren Sie sich hier über den kostenlosen Online-Übersetzungsservice!

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