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Tierisch gut!

Titel-Seniorin-streichelt-Alpakas
© Eric Langerbeins/COMMWORK Werbeagentur GmbH

Was haben Hund, Katze, Kaninchen, Esel und Alpaka gemeinsam? Sie alle kommen in den Seniorenzentren der AWO als Therapietiere zum Einsatz. Hier verbreiten sie viel Freude unter den Bewohnern, denn ihre Besuche sind nicht selten besser als jede Medizin. Ein Bericht über schöne Begegnungen zwischen Vier- und Zweibeinern.

Alpaka
© Eric Langerbeins/COMMWORK Werbeagentur GmbH

Er ist der kleinste in dem Trio, aber eindeutig der größte Herzensbrecher. Wenn Thommy vor einem steht mit seinen schwarzen Kulleraugen, seinem sanftmütigen Blick und seiner zum Lächeln geformten Schnauze, dann will man ihn gleich knuddeln und reingreifen in sein kuschelig-weiches Fell. Ein Impuls, der gewollt ist. Denn Thommy und seine Kumpels Jürgen und Manni sind Therapietiere im AWO Seniorenzentrum Huchem-Stammeln. Sie sollen all jenen Freude in den Alltag bringen, die die Alpaka-Hengste berühren, füttern und in Begleitung mit ihnen spazierengehen. Schon der Anblick der drolligen Vierbeiner, die einer Mischung aus Schaf, Pony und Giraffe ähneln, löst gute Laune aus. »Ich kann die drei von meinem Fenster aus sehen«, erzählt Elisabeth Sordi. »Das war gerade im Winter schön, als man die meiste Zeit drinnen verbrachte.« Die 86-Jährige kann sich noch genau an den Tag im letzten November erinnern, an dem die vierbeinigen Bewohner einzogen. »Ein einmaliges Erlebnis! Bis dahin kannte ich die nur aus dem Zoo, und jetzt ist man so vertraut mit ihnen.«

Auf die Idee, die Alpakas anzuschaffen, kam Einrichtungsleiterin Regina Brückner. Sie und ihre Mitarbeiterin Melina Kunze reichten den Vorschlag beim AWO Kreativwettbewerb »Funkensprüher « ein – und gewannen mit über 23.000 Stimmen den Publikumspreis. Dank der Förderung durch die Glücks Spirale konnte das Projekt realisiert werden. »Die Voraussetzungen bei uns sind optimal. Wir haben hinter dem Haus eine sehr große Wiese und ein eingezäuntes Gehege mit Stall, in dem die Alpakas artgerecht gehalten werden «, berichtet Frau Brückner.

Tiefpfleger-mit-Alpakas
© Eric Langerbeins/COMMWORK Werbeagentur GmbH

Die Hengste stammen von einer auf Tiertherapie spezialisierten Züchterin aus der Nähe, die ein Team aus drei AWO Mitarbeitern schulte. Sie zeigte ihnen, wie die Alpakas gehalftert, gefüttert und geführt werden. Als Thommy, Jürgen und Manni ins AWO Seniorenzentrum kamen, waren sie neun Monate alt und quasi noch in der Ausbildung. Inzwischen sind sie stubenrein und haben gelernt, wie man Treppen steigt und Fahrstuhl fährt. »Wir gehen ja auch auf die Wohnbereiche und besuchen die bettlägerigen Bewohner«, sagt Thomas Kruth. Er arbeitet als Haustechniker in Huchem-Stammeln und ist einer der drei, die sich zum Trainer ausbilden ließen.

Das trifft auch auf die Senioren zu, die ihre Hände nach den zotteligen, etwas x-beinigen Vierbeinern ausstrecken, sobald Kruth die Tiere ins Freie führt. Zeit für Streicheleinheiten.

Seniorin-füttern-Alpackas
© Eric Langerbeins/COMMWORK Werbeagentur GmbH

Alpakas stammen aus den südamerikanischen Anden und werden hierzulande mehr und mehr für tiergeförderte Projekte eingesetzt.

»Sie haben einen hohen Aufforderungscharakter und lösen damit sogar bei teilnahmslosen Menschen Reize aus«, so Dr. Andrea Beetz, die sich als Psychologin wissenschaftlich mit der Beziehung Mensch-Tier auseinandersetzt. Es gebe zwar noch wenig Studien zur Arbeit mit Lamas und Alpakas, doch die Interaktion mit den Tieren sei so ungewöhnlich, dass selbst apathische Patienten darauf ansprächen. Die Begegnung mit ihnen sei etwas Besonderes. Sie binde Aufmerksamkeit, lenke von Schmerzen und Einsamkeit ab, fördere das Zusammensein mit anderen Personen und wirke stimmungsaufhellend. In diesem Sinne könnten sogar Krankheitssymptome gemildert werden. Das lässt sich laut Dr. Beetz zumindest aus der Erforschung der Hund-Mensch-Beziehung herleiten. »Der Körperkontakt über das Streicheln führt zur Ausschüttung des Hormons Oxytocin, was eine Reduktion von Cortisol, Blutdruck und Herzfrequenz bewirkt und somit eine stressabbauende Wirkung hat.«

Pfleger,-Seniorin-und-Alpaka
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Dies kann Thomas Kruth bestätigen. Er hat bereits Anfragen von benachbarten Einrichtungen, wie der Behindertenwerkstätte Niederzier. Längst ist bekannt, dass in Huchem-Stammeln die Alpakas los sind. Sie sind eine Attraktion – und die 80 Senioren stolz auf ihre tierischen Mitbewohner. »Ich freue mich schon, aus der Wolle etwas Schönes zu stricken oder zu häkeln«, sagt Josefine Wirtz und fährt mit ihren Fingern über den bauschigen Hals von Manni, der sich der 93-Jährigen neugierig entgegenstreckt.

 

 

 


Seniorin-mit-Hasen
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Im AWO Hermann-Koch-Seniorenzentrum in Düren hingegen machen Kaninchen Pflegekarriere. »Zunächst hatten wir hier einen Hund. Aber gerade bei Menschen mit Pflegestufe 3, zu denen das Tier ja ans Bett kommt, fand ich diese Art der Therapie nicht passend«, erzählt Einrichtungsleiterin Petra Strömer. »Deshalb entschieden wir uns für die Kleintiere – die sind den meisten Bewohnern von früher vertraut.« In der Tat: Wenn Alltagsbegleiterin Sarah Zillike Max und Moritz von Schoß zu Schoß reicht, merkt man gleich den sicheren Umgang der Senioren mit den Langohren. Sie wirken entspannt und genießen es sichtlich, das weiche, warme Fell zu kraulen.

Max heißt auch der Kater, der sich ins Herz der Bewohner des AWO Sozialzentrum Degerfeld geschnurrt hat – und irgendwann dort sogar einziehen durfte. Seitdem sitzt er bei allen Veranstaltungen in der vordersten Reihe und ist längst eine Art Hausmaskottchen. Tiere können Menschen auf ganz besondere Art ansprechen. Sie erfühlen Stimmungen instinktiv und haben keinerlei Erwartungshaltung. Es ist ihnen schnuppe, wie jemand aussieht, ob er jung oder alt ist, dick oder dünn, ob oder welches Handicap er hat. Deshalb sind sie prädestiniert für den Einsatz in Altenheimen. Dabei leben nicht alle in den Einrichtungen, manche statten auch nur regelmäßige Besuche ab.

Wie Sammy, eine Golden-Retriever-Hündin. Von ihrem Frauchen wird sie ein – bis zweimal pro Woche ins bayerische AWO »Georg-Schenk-Haus« nach Burghausen gebracht. Selbständig klappert sie die einzelnen Wohnbereiche ab – und wird von allen heiß geliebt. »Wir haben eine hoch demente Bewohnerin, die sich noch nicht mal an den Namen ihrer Mutter erinnert – den Namen von Sammy hat sie jedoch immer parat«, so Sozialdienstleiterin Simone Rohrer. 50 Kilometer weiter westlich ist Labradormischling Tim im AWO Seniorenzentrum Waldkraiburg im Einsatz. »Weil er so aggressionsfrei ist, habe ich ihn zum Therapiehund ausbilden lassen«, sagt Hildegard Wandinger, die zweimal im Monat für je eine Stunde ins Haus kommt. »Dann spielen die Bewohner mit Tim, verstecken Leckerlis, bürsten sein Fell oder fädeln Hundefutter auf eine Schnur.

Seniorin-mit-weißem-Hasen
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All das fördert die Grobund Feinmotorik.« Ob Hund, Katze, Kaninchen, Alpakas, Zierfische oder die Zwergesel im AWO Haus Dießen am Ammersee, die mit ihrer Kleinwüchsigkeit die passende Höhe für Rollstuhlfahrer haben – die Beschäftigung mit den Tieren lassen die täglichen Sorgen vergessen, geben vielen das Gefühl, gebraucht zu werden, steigern die Lebensqualität und machen richtig gute Laune. Und darauf kommt es doch schließlich an.

 

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