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Willkommen in Iras Welt

7. Februar 2011

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Ira Griem

Ira Griem leidet unter Multipler Sklerose, Pflegestufe 3. Kein Grund für die 54-Jährige aus Wedel, sich zu vergraben – im Gegenteil. Seit sie den ambulanten Pflegedienst der AWO Schleswig-Holstein in Anspruch nimmt, ist die Rollstuhlfahrerin beweglicher denn je.

In Turnschuhen, weißer Jeans, schickem Pulli und mit einem Strahlelächeln, das das Norddeutsche Schietwetter sofort vergessen lässt, öffnet Ira Griem die Haustür. Ihr Apartment gehört zu einer hübschen Backsteinsiedlung für Betreutes Wohnen und befindet sich nur wenige Kilometer von der Elbe. Das maritime Flair, den Blick auf Marsch, Deichschafe, Vögel, Feuchtwiesen und Auwälder, all das liebt die gebürtige Büsumerin, deren Leben nach vielen Ebbe- Jahren wieder geflutet wird mit schönen Erlebnissen. »Ich wusste lange nicht, dass ich trotz meiner Behinderung noch so viel unternehmen kann«, erzählt Ira Griem, die schon als junge Frau an Multipler Sklerose erkrankte.

Zehn Jahre nach ihrer Hochzeit fingen die erste Schübe an: Erst brauchte sie zum Gehen einen Stock, dann kam der Rollator, schließlich zwang sie die Nervenkrankheit in den Rollstuhl. Ohne Hilfe kann sich die energiegeladene Frau weder hinlegen noch aufstehen oder sich ankleiden. Zu viel Belastung für Iras damaligen Mann, der sich 2007 nach fast 30 Ehejahren von ihr trennte. Ein Schicksal, das sie mit vielen Frauen ihres Alters teilt. Doch statt in Selbstmitleid zu versinken oder gar zu resignieren, fing Ira, »die Zornige«, an, sich ins Leben zurückzukämpfen. Heute fährt sie alleine mit Bus und Bahn, kauft ein, besucht Schlagerkonzerte, macht Urlaub und ist sogar ehrenamtlich tätig. Kurz: Frau Griem lebt trotz Pflegestufe in den eigenen vier Wänden und führt ein selbstständiges, vor allem selbstbestimmtes Dasein, von dem sie früher nicht zu träumen wagte.

Ira Griem leidet unter Multipler Sklerose

Wie das geht? Möglich macht das die ambulante, also häusliche Pflege – von der AWO neben Tages-, Kurzzeit- und stationärer Pflege deutschlandweit angeboten. Die Leistungen werden zum Teil von der Pflegeversicherung übernommen und reichen von der Grundpflege über Hilfe im Haushalt bis zur Rundumbetreuung. Auf Wunsch führen die Mitarbeiter auch Verordnungen des Hausarztes aus. Dazu gehören unter anderem das Anziehen von Kompressionsstrümpfen, Verbandswechsel, das Messen des Blutzuckerspiegels oder das Verabreichen von Insulin.

»Wir schauen nicht nur auf die Defizite unserer Patienten, sondern auch auf ihr Potenzial«, so Elke Eichhorn. Sie leitet die ambulante Pflege der AWO in Wedel und Pinneberg. »Wir überprüfen, was geübt werden muss, damit es wieder besser geht und ob Hilfsmittel oder die Anpassung der Wohnung die Selbständigkeit unterstützen können.«

Sie und ihr Team versorgen rund 45 pflegebedürftige Frauen und Männer aus der Region. Wie in einem Taubenschlag geht es zu, wenn die Mitarbeiter zwischen Früh- und Spätschicht im Einsatz sind. Immer wieder pendeln sie zwischen der Wedeler Zentrale, wo Tourplan und Patientenschlüssel liegen, und der jeweiligen Wohnung. So wie Gabi Wentorp, eine der Hauptpflegerinnen der MS-kranken Frau Griem. Dreimal täglich kommt sie vorbei, hilft beim An- und Ausziehen, Waschen sowie bei der Zubereitung von Mahlzeiten. Die beiden Frauen sind sichtlich vertraut miteinander, plaudern und kichern wie zwei Freundinnen. »Die Ansprache tut mir gut«, sagt Ira, und zeigt dann auf ihre braunen Sneakers: »Guck mal, Gabi, die habe ich mir gestern in Hamburg gekauft – ein echtes Schnäppchen.«

Ob zum Shoppen in die Hansestadt, nach Sylt zur Urlaubspflege der AWO oder aufs Konzert ihres großen Idols Howard Carpendale: Ira Griem genießt es, unterwegs und unter Leuten zu sein. Besonders stolz ist die gelernte Zahnarzthelferin, dass sie inzwischen einen kleinen Job ausübt: Jeden Morgen ruft sie rund 30 Bewohner der Anlage an und erkundigt sich nach deren Wohlergehen. Wenn etwas nicht stimmt, meldet sie es der entsprechenden Instanz. Die neu erworbenen Fähig- und Fertigkeiten geben eine enorme Selbstbestätigung und stärken Iras Vertrauen in ihre Unabhängigkeit.

Ira Griem ist großer Fan von Howard Carpendale

Doch Ira weiß auch, wie schnell und urplötzlich sie in eine hilflose Situation geraten kann, was bisher zweimal nachts passierte. Für solche Fälle bietet die Ambulante Pflege den Hausnotruf an, mit dem man per Knopfdruck automatisch und zu jeder Zeit eine Verbindung in die AWO Notrufzentrale herstellt. Sofortige Hilfe ist garantiert. Aber die beste Medizin für Iras Seele ist der Südafrikaner mit dem charmanten Akzent, dessen Konzerte sie auch nach dreißig Jahren noch besucht – das nächste am 28. November. Ira Griems größter Traum? »Einmal mit Howie an der Alster Kaffeetrinken.«

Informationen über Ambulante Pflege und Fragen der Finanzierung bekommen Sie bei den jeweiligen Senioreneinrichtungen der AWO, wie z. B. unter: www.awo-pflege-sh.de

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