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Freundschaften – Wie sie unser ganzes Leben begleiten

Freundschaften gehören zu den wichtigsten Beziehungen im Leben. Sie machen uns stark und helfen in Krisenzeiten. Wer neugierig bleibt, kann auch im Alter noch enge Vertraute finden.

Wenn sie anruft, ist es so, als wäre kein einziger Tag vergangen, seitdem wir zuletzt voneinander gehört haben. Dabei sind es oft Monate. Meine Schulfreundin lebt inzwischen viele hundert Kilometer entfernt, wir sehen uns zwei-, dreimal im Jahr, telefonieren sporadisch und schicken uns Nachrichten und Fotos hin und her. Dazwischen herrscht wochenlang Funkstille. Ohne böse Absicht. Wenn sich dann eine meldet, machen wir einfach da weiter, wo wir beim letzten Mal aufgehört haben. Wir wissen beide, dass uns der Platz im Leben der anderen sicher ist.

Freundschaften gehören zu den wichtigsten Beziehungen in unserem Leben. Sie beeinflussen uns, geben Halt und sorgen dafür, dass wir uns selbstbewusst und glücklich fühlen.

Umfragen zeigen sogar, dass eine gute Freundin heute für viele wichtiger ist als einePartnerin oder die Familie.

Das mag zunächst erstaunen, lässt sich aber einfach erklären: Liebesbeziehungen werden fragiler und Paare trennen sich schneller und früher als noch vor einigen Jahren. Und auch in Familien lauern Konflikte: emotionale Verstrickungen, Erwartungen und Verpflichtungen.

Eine Freundschaft kann dagegen eine stabile Konstante sein. Sie ist verbindlich und eng, hält dabei aber gleichzeitig Distanz und den Drang nach Freiraum und Individualisierung besser aus.

So wie wir selbst, verändern sich auch unsere Freundschaften im Laufe des Lebens – und zwar vor allem quantitativ.

Kinder finden meist unkompliziert neue Freund*innen, auch im jungen Erwachsenenalter trifft man in Schule, Studium und Ausbildung auf ungebundene Menschen mit ähnlichen Interessen. Mit zunehmendem Alter wird die Sache dann schwieriger: Die Lebensentwürfe unterscheiden sich plötzlich, die einen kriegen Kinder und gründen eine Familie, die anderen konzentrieren sich auf den Job. Die Globalisierung macht das Arbeiten ortsungebundener und die Menschen mobiler und weniger verwurzelt. So manche
Freundschaft bleibt da auf der Strecke – und die Suche nach neuen ist dann
schwer, weil viele bereits einen Freundeskreis haben und schlicht kein Bedürfnis
danach, neue Freundschaften zu schließen.

Mit dem Eintritt ins Rentenalter ändert sich das aber. Man hat wieder mehr Zeit. Verbindungen zu ehemaligen Kolleginnen verlaufen vielleicht im Sande. Todesfälle und geringere Mobilität dünnen das soziale Netz zusätzlich aus. Dann ist es an der Zeit, aktiv zu werden, etwa in Vereinen, Sportgruppen oder bei organisierten Ausflügen und Reisen. Denn Freundschaft ist keine Frage des Alters. Es geht auch nicht darum, mit einer möglichst interessanten Lebensgeschichte zu glänzen, sondern mehr um den Willen, sich auf eine andere Person einzulassen, zuzuhören und geduldig zu sein.

© istockphoto/jacoblund

Wer auf andere offen zugeht und dabei authentisch bleibt, hat gute Chancen, neue Verbündete zu finden. Die Weisheit und Selbsterkenntnis, die viele bis dahin gewonnen haben, können sogar dazu beitragen, dass Freundschaften im Alter tiefgründiger sind, weil man weiß, wer zu einem passt, und sich neue Freundinnen bewusster aussucht. Diese Freundschaften haben sogar das Potenzial, zu sogenannten Herzensfreundschaften zu werden, also jenen seltenen Verbindungen, in denen man sich alles anvertraut und sich bedingungslos auf den anderen verlassen kann.

Meist schaffen das aber nur die Freundschaften, die schon in der Kindheit oder Jugend geschlossen werden.

Diese Freundinnen haben eine gemeinsame Geschichte, haben zusammen mit Champagner auf Erfolge angestoßen und am Krankenhausbett miteinander geweint.

Solche Beziehungen halten oft ein Leben lang. Aber eben auch nicht immer.

Es gibt viele Faktoren, die eine Freundschaft gefährden: Manchmal sind es eben nur die Lebenswege, die irgendwann auseinandergeführt haben, manchmal sind es unausgesprochene Konflikte, manchmal sind es aber auch Werte und Einstellungen, die einfach nicht mehr zusammenpassen.

In vielen Fällen entfernt man sich dann zunehmend voneinander und stellt den Kontakt ein, denkt aber vielleicht trotzdem noch wohlwollend an die gemeinsame Zeit. Natürlich gibt es aber auch weitaus weniger harmonische Situationen, in denen es gut ist, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Das kostet Mut und Kraft, ist oft aber wichtig. Menschen kommen und gehen, das ganze Leben ist Veränderung und dazu gehört eben auch, sich mal aus einer Verbindung zu lösen. Das schafft Platz und Energie für Neues und ist zudem auch ein guter Zeitpunkt, die eigenen Vorstellungen von Freundschaft und die Erwartungen an Freundinnen zu
reflektieren.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, muss jeder Freund und jede Freundin einen Beitrag leisten. Das heißt in erster Linie: Zeit investieren. Und das fällt vielen im Alltag gar nicht so leicht.

Dennoch ist es sinnvoll, auch – oder gerade – mit vollem Kalender feste Termine für seine Freund*innen einzuräumen.

Das kann ein Abend in der Woche sein, an dem beide Ruhe und Muße für ein ausführliches Telefonat haben.

Das kann aber auch ein regelmäßiges Treffen in einem Café oder Restaurant sein, ein Spaziergang genauso wie ein Saunabesuch. So kann man sich gegenseitig auf dem Laufenden halten und weiß, was die andere Person gerade beschäftigt, worüber sie/er sich freut und was ihr/ihm Sorgen macht. Ich werde wohl heute Abend meine Freundin anrufen. Und ihr auch von diesem Artikel erzählen.

Autorin: Alina Halbe

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