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NESSITA – eine Tür zur Sinnlichkeit

Frau Paulsen, Nessita
©Andreas Vallbracht

Der Wunsch nach körperlicher Nähe und Erotik nimmt im Alter nicht ab. Was abnimmt, sind die Gelegenheiten, diesen Wunsch zu erfüllen – besonders bei Alleinstehenden. Die Agentur Nessita (www.nessita.de) vermittelt Sexualassistenten. Das sind Frauen und Männer, für die es Teil ihres Jobs ist, pflegebedürftigen und alten Menschen Berührungen und sexuelle Erlebnisse zu ermöglichen. Agenturgründerin Gabriele Paulsen erklärt das Konzept im Interview.

Frau Paulsen, was ist das Ziel von Nessita?
In erster Linie geht es darum, Menschen die Gelegenheit zu geben, sich Wünsche zu erfüllen, Bedürfnisse zu befriedigen und eine schöne Zeit zu haben – und zwar älteren Menschen, denen es sonst erschwert wird, Sinnlichkeit mit einem Partner zu erleben. Dass die Berührungen auch viele seelische und körperliche Altersbeschwerden lindern, ist ein tolles Extra ganz ohne Nebenwirkungen.

Wer hat Interesse am Angebot von Nessita?
Es nehmen sowohl Frauen als auch Männer Kontakt zu mir auf – letztere sind aber in der Überzahl. Je nach Vorliebe suchen sie einen weiblichen oder männlichen Sexualbegleiter. In einem ersten Telefonat, das ich persönlich führe, finde ich gemeinsam mit der/dem Interessierten heraus, welche Nessita oder welcher Nessito – so nennen wir unsere Begleiter – passen könnte. Viele sind vor dem ersten Anruf sehr nervös. Die Sorgen sind unbegründet: Für den Wunsch nach Nähe muss sich niemand schämen.

Was dürfen Menschen bei einem Besuch erwarten?
Diese Entscheidung liegt vor allen Dingen bei unseren Sexualbegleitern. Sie erklären in ihren Online-Profilen, was möglich ist. Es wird stets vorher abgesprochen, was während des Besuchs passieren kann und wo die Grenzen liegen. Es wird massiert, gekuschelt, nackt beieinander gelegen und gestreichelt – auf Wunsch auch bis zum Orgasmus.

Ein Besuch von 60 Minuten kostet 150 Euro. Oral- und Geschlechtsverkehr sowie Zungenküsse sind ausgeschlossen. In diesem Punkt unterscheiden wir uns von der Prostitution.

Werden auch Menschen in Pflegeeinrichtungen besucht?
Die Nessitas und Nessitos kommen auch in Seniorenzentren. Dabei legen sie großen Wert auf Diskretion und geben sich auch schon mal als entfernter Verwandter aus. Erfahrungsgemäß ist übrigens die Mittagszeit besonders geeignet, da herrscht Ruhe auf den Fluren. Bei den Mitarbeitern der Einrichtung melden wir uns allerdings ganz offiziell an, um Missverständnisse zu vermeiden. Auffällig ist, dass wir eher in Seniorenzentren tätig sind, in denen sich die Einrichtungsleitung und ihr Team bewusst mit dem Thema Sexualität auseinandersetzen

Gibt es hier großen Aufklärungsbedarf?
In jedem Fall! Daher biete ich auch Schulungen für Einrichtungen an. Inhaltlich geht es ganz allgemein um das Thema Sexualität und den zum Pflegekonzept gehörenden Anspruch, dass sich Bewohnerinnen und Bewohner »als Frau oder Mann fühlen« können. Oder ich informiere ganz konkret über das Angebot der Sexualassistenz, über rechtliche Rahmenbedingungen, den Umgang mit Angehörigen und welche Hilfen nötig sind, um Bewohnerinnen und Bewohnern diese Form der Dienstleistung zu ermöglichen.

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