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Seniorenzentren mit dem gewissen Extra. Teil 1: Aktiv in freundlichem Ambiente

20. November 2017

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Im Zuge der wachsenden Konkurrenz auf dem Pflegemarkt und den steigenden Ansprüchen von Bewohner*innen und Angehörigen müssen Einrichtungen heutzutage weit mehr als Standard bieten. Das AWO Journal besuchte drei Häuser im Bezirksverband Hessen-Süd, die mit originellen Konzepten überzeugen.

In Teil 1 unserer Serie über die Extras in Seniorenzentren geht es um besondere Anschaffungen und liebevolle Details, die zum Wohlfühlen einladen.

Da kommt es wieder angerollt: Sobald das feuerrote Velotaxi der AWO in Heusenstamm auftaucht, schauen die Leute neugierig aus den Fenstern, lachen, winken, und erfreuen sich an dem knuffigen Gerät, das gute Laune auf drei Rädern verströmt. Sichtlich Spaß hat auch Jeerapa Setrong vom Sozialen Dienst des Horst-Schmidt-Hauses. Immer wieder zieht die junge Frau zur Begrüßung den Strohhut, klingelt und steckt mit ihrer Fröhlichkeit alle an. In ihrer thailändischen Heimat sind Rikschas gängig zwischen Bangkok und Chiang Mai — aber was machen sie in einer hessischen Kleinstadt? »Es war die Idee der Senioren«, sagt Frau Setrong, während sie zurück zum Sozialzentrum in die Herderstraße strampelt.»Viele Bewohner sind früher gerne Fahrrad gefahren. Weil sie das heute nicht mehr können, wurde gemeinsam nach einer Lösung gesucht.« Nach zweieinhalb Jahren war es so weit: Dank großzügiger Spenden — vor allem durch den AWO Förderverein Lebensbilder — konnte das ebenso schnittige wie umweltfreundliche Mobil angeschafft werden. Doch bevor es vor wenigen Wochen auf Jungfernfahrt ging, wurden noch Änderungen vorgenommen: Stufen für den leichteren Einstieg, ein Haltegriff, falls es schneller gehen sollte (es gibt einen Elektromotor) sowie ein Verdeck gegen schlechtes Wetter. Bei den Bewohner*innen kommt der Seniorenflitzer sehr gut an. »Eine tolle Sache«, findet Jürgen Brinkop, der während des Gesprächs auf der Hinterbank sitzt. Als Werkzeugmeister hat er dreißig Jahre bei Ford in Chicago gearbeitet. Jetzt lässt sich der 87-Jährige lieber abgasfrei chauffieren. Neben solchen vergnüglichen Spritztouren werden auch Dienstfahrten zum Arzt, in die Apotheke oder zum Einkaufen gemacht.

Pflege ist selbstverständlich, aber was kommt on top?

Keine Frage: Das AWO-Velotaxi ist eine besondere Attraktion, die auch für den neuen Geist der Seniorenzentren steht. Heutzutage haben (Extra-)Wünsche der Bewohner*innen eine höhere Priorität . »Pflege ist Selbstverständlich. Aber was kommt on top?«, so Jeerapa Setrong, die für das Aufnahme-Management im Horst-Schmidt-Haus zuständig ist. »Die Leute wollen wissen, welches Freizeitangebot und Essen wir bieten, wann die letzte Renovierung war und was es an Extras gibt. Solche Dinge tragen erheblich zur Entscheidung bei der Wahl eines Seniorenzentrums bei.«

… das A und O sind engagierte Mitarbeiter*innen…

Wer über die Schwelle der Heusenstammer Einrichtung tritt, spürt sofort, dass es sich hier um ein besonders lebendiges Haus handelt: jahreszeitliche Dekoration und gepflegte Pflanzentöpfe vor dem Eingang, dahinter eine große Tafel mit Fotos von Bewohner*innen, die den Gast willkommen heißt. Wohlfühlflair prägt auch das hauseigene Café Sinfonie mit täglich frischgebackenem Kuchen vom Blech. Kaffeehausmotive schmücken die Wände. »Ich habe die Bilder auf einer Pflegemesse entdeckt, denn sie sind durch ihre klaren Themen demenzgerecht«, erklärt Betriebsleiterin Roza Bering beim Latte Latte macchiato, dessen Schaumkrone zwei Herzen zeigt. Barista-Kunst wie in einem Szenelokal. Überhaupt legt die Chefin großen Wert auf die kleinen Dinge. Sie weiß: Es sind die Details, die für gute oder schlechte Atmosphäre sorgen — besonders bei den Mahlzeiten. »Das Geht schon bei der Unterlage der Teller los — verkrumpelt und aus Gummi geht gar nicht«, findet Roza Bering, die zudem allergisch reagiert, wenn Essen lieblos auf den Teller gepanscht wird. »Da schmeckt die beste Küche nicht, und die Arbeit war umsonst«. Ansprechende Zubereitung der Speisen, gemütliche Sitzecken und ein freundliches Ambiente sorgen für Sympathiepunkte, aber »das A und O sind engagierte Mitarbeiter, die Senioren durch den Tag begleiten und ihnen Anregungen geben«. So wie Berta Sohni, die als Bewegungstherapeutin seit vielen Jahren im Horst-Schmidt-Haus den Bewohnern wortwörtlich auf die Beine hilft. Mit Trainingsgeräten und ganz persönlichen Ratschlägen. Viermal in der Woche heißt es eine Stunde lang Fitness in der Halle. Wobei auch im Garten Trimm-dich-Stationen zum Aktivsein einladen. Mit diesem Angebot und der entsprechenden Ausstattung sticht die AWO Einrichtung heraus.


 

Hier geht es zu Teil 2 der Serie Seniorenzentren mit dem gewissen ExtraBesondere Angebote für besondere Charaktere.

 


 

Hier geht es zu Teil 3 der Serie Seniorenzentren mit dem gewissen Extra: Tierische Begegnungen.

 

 

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