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Experteninterview: Vitalstoffe

14. Januar 2012

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Ernährungswissenschaftler sagen es, Fachzeitschriften schreiben es: Vitalstoffe sind für den menschlichen Organismus in vielerlei Hinsicht wichtig. Wir fragten eine Expertin ganz konkret, was Vitalstoffe wirklich bringen. Prof. Dr. Michaela Döll muss es wissen, schließlich ist sie Lehrbeauftragte der Universität in Braunschweig im Fach Lebensmittelchemie und hält in Braunschweig eine Vorlesung zum Thema »Ernährungslehre und Diätetik«. Erfahren Sie in diesem Interview ihre kompetenten Antworten zu diesem Bereich.

Frau Prof. Dr. Döll, bei Ernährungsempfehlungen ist immer wieder von Vitalstoffen die Rede. Was ist eigentlich genau damit gemeint?

In erster Linie sind damit Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente gemeint, also Substanzen, die nur in geringen Mengen in unseren Lebensmitteln vorkommen, für unsere Gesundheit jedoch unverzichtbar sind.

Warum sind Vitalstoffe so wichtig?

Sie üben in unserem Körper eine Vielzahl wichtiger Funktionen aus. Sie werden beispielsweise für die Abwehrkraft und die Blutbildung, für die Energiegewinnung, den Nervenstoffwechsel oder auch für den Knochenbau, eine gesunde Haut und das Haarwachstum benötigt. Kurzum: Ohne Vitalstoffe läuft nichts in unserem Körper.

Woran erkennen Gesundheitsbewusste, dass bei ihnen möglicherweise ein Vitalstoffmangel besteht?

Hier kann es eine Reihe von (unspezifischen) Anzeichen geben: Wer z. B. antriebslos oder häufig müde und schlapp ist, kann unter einem Mangel an Vitalstoffen leiden. Aber auch Stress und Nervosität, eine blasse oder schlechte Haut, Haarausfall oder ein schwaches Abwehrsystem können Anzeichen für einen Mangel sein.

Können Vitalstoffe auch schaden, wenn man sie vielleicht zu lange oder zu viel davon einnimmt?

In Deutschland sind ausschließlich Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, die eine festgelegte Konzentration an Vitalstoffen nicht überschreiten. Deshalb gelten diese Dosierungen als »sicher«.

Wer gesund ist und stets auf eine abwechslungsreiche und vollwertige Ernährung achtet, braucht keine Vitamintabletten! Frau Prof. Dr. Döll, was sagen Sie zu dieser These?

Ja, wer grundsätzlich ein rundum gesundes Leben führt, benötigt nicht unbedingt Nahrungsergänzungsmittel. Zu einem gesunden Leben gehört u. a. jedoch, täglich die empfohlenen 5 bis 7 Portionen Gemüse und Obst zu verzehren, regelmäßig Sport zu treiben, frei von Leistungsdruck und Stress zu sein sowie weder zu rauchen noch sich anderen gesundheitsgefährdenden Risikofaktoren auszusetzen. Und natürlich darf man unter keiner chronischen Krankheit leiden oder regelmäßig Medikamente einnehmen.

Was sollten ältere Menschen besonders beachten?

Mit zunehmendem Alter lässt auch unser Abwehrsystem nach, sodass Nahrungsergänzungsmittel hier gut unterstützen können. Nicht selten werden bei vielen älteren Menschen die Vitalstoffe aus der Nahrung nicht mehr komplett verwertet, was z. B. an der regelmäßigen Einnahme bestimmter Medikamente liegen kann.

Was kann man tun, um sich ausreichend mit Vitalstoffen zu versorgen?

Eine der Erfolgsformeln hierfür ist einfach zu merken: »Fünf am Tag«. Das heißt, dass jeder täglich mindestens 5 Portionen Gemüse und Früchte essen sollte. Da es hierbei auf Abwechslung ankommt, ist die Umsetzung jedoch nicht immer so einfach. Darüber hinaus sollte auch ein Stück Fleisch oder ein Stück Fisch ab und zu auf dem Speiseplan stehen. Deshalb können Personen, die sich rein vegetarisch ernähren, unter Mangelerscheinungen leiden. Weitere Lebensmittel, die es im besten Sinne buchstäblich in sich haben, sind die Produkte der Vollwertkost. In den Schalen von Getreidekörnern stecken jede Menge Vitamine, sodass diese (sofern verträglich) den sogenannten »Weißmehlprodukten« unbedingt vorgezogen werden sollten.

 

Zur Person

Prof. Dr. rer. nat. Michaela Döll ist seit vielen Jahren bundesweit und im Ausland als Referentin auf medizinischen Fachkongressen und in der Weiterbildung von Therapeuten und Apothekern tätig. Als Fachautorin mit über 1.000 Publikationen in den Bereichen Ernährung, Anti-Aging, Zivilisationskrankheiten und orthomolekulare Medizin hat sie sich in der Fachwelt längst einen Namen gemacht.

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