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Humor hilft! Wer lachend durch den Alltag geht, lebt gesünder.

22. Februar 2013

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So dunkel wie die aktuellen Tage sind manchmal auch unsere Gedanken. Doch schon ein lockerer Scherz des Tischnachbarn kann Wunder wirken. Längst ist wissenschaftlich bewiesen: Humor ist Medizin für die Seele. Während sich manche von einem Clown aufheitern lassen, hellt sich bei anderen die Stimmung durch fröhliches Musizieren auf – oder bei einer Karnevalssitzung. Es ist Zeit, die Leichtigkeit des Seins zu feiern!

Heute schon gelacht? Nein? Dann wird es aber höchste Eisenbahn!

Wie wäre es mit diesem Witz:

Fragt der Ober: »Wie fanden Sie das Schnitzel?« Sagt der Gast: »Rein zufällig unter dem Salatblatt.«

Oder:

Geht ein Cowboy zum Friseur. Als er rauskommt, ist sein Pony weg.

Noch einen:

»Warum sind Sie dreimal hintereinander in dasselbe Geschäft eingebrochen?«, fragt der Richter. Der Angeklagte: »Das war so, Herr Richter: Das erste Mal habe ich ein Kleid für meine Frau geklaut, die beiden anderen Male musste ich es umtauschen.«

Egal, ob man nur ein wenig schmunzelt oder aus vollem Halse lacht: Sich über etwas zu amüsieren tut gut. Man ist – und sei es nur für den Moment – vom Alltag abgelenkt, Kummer und Krankheit rücken in den Hintergrund. Man fühlt sich entspannt und strahlt Fröhlichkeit aus, was wiederum andere ansteckt. Gemeinsames Lachen schafft Vertrauen und stärkt das Gefühl von Gemeinschaft. Das zeigen z. B. die Bewohner der Hausgemeinschaft »Silberbörnchen« im AWO Altenzentrum Fuldabrück. Da geht es manchmal zu wie in einem Slapstick, wo ein kerniger Spruch den nächsten jagt. Kostprobe gefällig? Bitteschön:

»Lottchen«, fragt eine Bewohnerin, »hast du nicht bald Geburtstag?« Liselotte: »Ja, aber ich hab kein Geld zum Feiern.« – »Dann gehen wir für dich sammeln – für ein Sektfrühstück wird’s reichen.« – »Wie alt wirst du denn?« – »91.« – »Ach, du meine Güte, ein altes Hutzelchen.« – »Ja, so alt wird kein Schwein. Das wird nämlich vorher geschlachtet.«

Alle im Raum prusten los. Kein Wunder, dass diese Senioren trotz ihres betagten Alters noch so munter sind: Sie haben ihren Humor nicht verloren!

Was der Volksmund schon lange weiß, das wurde mittlerweile auch wissenschaftlich bestätigt, nämlich: dass Lachen die beste Medizin ist. Welche körperliche Auswirkung es hat, untersucht die sogenannte Gelotologie. Erwiesen ist, dass Humor unter anderem die Ausschüttung von Stresshormonen reduziert, den Blutdruck senkt, Spannungen abbaut und die Selbstheilungskräfte aktiviert. Mit dieser Erkenntnis werden seit vielen Jahren in Krankenhäusern die »Clown-Doktoren« eingesetzt.

Auch in Seniorenzentren ist das »Paradigma der Fröhlichkeit« inzwischen fester Bestandteil des Pflegekonzepts.

Das heißt: Kabarettisten, Bauch- und Büttenredner sowie Clowns werden gezielt zur allgemeinen Aufheiterung engagiert. Zwei von ihnen sind gerade im AWO Seniorenzentrum Mainz-Mombach eingetroffen und sorgen allein durch ihre schräg-bunte Aufmachung für gute Laune auf den Fluren. Viele kennen Corina Ratzel und Eva Baumann von den regelmäßigen Besuchen und lassen sich gern auf das komödiantische Spiel ein. Wie der 84-jährige Walter Bawolski, der sich gerade beschwingt von der drallen Eva »Rosa Wunder« mit Schirm, Charme und Rollstuhl durch die Gänge chauffieren lässt. Ihre Kollegin Corina wendet sich derweil den weniger extrovertierten Senioren zu. Zum Beispiel Willi Nuss, der allein an einem Tisch sitzt und starr vor sich hinblickt. Das tut er auch noch, als sich Corina mit roter Clownsnase und Schiebermütze neben ihn setzt. Erst als sie ihm Wasser einschenkt, hebt er den Blick. Es ist der zarte Beginn einer nonverbalen Kommunikation, die dem in sich gekehrten Herrn aber sichtlich gefällt. Der Schleier in seinen Augen hebt sich für wenige Augenblicke, und sogar ein Lächeln ist zu erkennen.

»Man muss als Clownspfleger sehr sensibel vorgehen«, so Corina Ratzel. »Manchmal bekommt man bei kranken und dementen Senioren einen neuen Zugang zu ihrer oft verborgenen Vitalität – das ist dann für beide Seiten sehr schön.«

Auch Wolfgang Bartmann, der als Bauchredner jeden zweiten Samstag ins AWO Seniorenzentrum Wörrstadt kommt, macht immer wieder die Erfahrung, dass gerade demenziell Erkrankte auf seine Puppen freudig reagieren.

»Sie holen die Menschen in ihrer Kindheit ab und schaffen das, was Therapeuten vielleicht nicht mehr können: lange vergrabene Verknüpfungen reaktivieren.«

Einer, der besonders bei den Damen Glanz in die Augen zaubert, ist Lui Klassen. Vom rot-weiß geringelten Strumpf bis zur Polizeimütze auf dem Kopf strahlt der Mann aus Oberbayern puren Charme aus. Wenn Lui dann auch noch aus seinem Koffer Herzen verteilt oder sie aus Luftballons formt, dann fliegen ihm ebensolche in Scharen zu. Seit 2007 besucht er als Klinik-Clown das AWO Seniorenzentrum in Oberschleißheim, wo er mit seiner Spielpartnerin als altes Ehepaar auftritt. Besonders viele Sympathien und Lacher erntet Lui, wenn er den Kerl mimt, der zwar die Hosen anhat, aber eigentlich nix melden darf. »Das ruft wohl bei manchen Erinnerungen wach«, sagt der 50-Jährige und grinst.

Vor acht Jahren hat er seinen festen Job, der ihn nicht mehr erfüllte, für die Ausbildung zum Clown aufgegeben. An seinen Auftritten im Krankenhaus oder Seniorenheim mag er den direkten Kontakt zu den Menschen. »Es sind keine Auftritte auf der Bühne, sondern die Begegnungen finden oft auf den Zimmern statt.« Dabei achtet Lui Klassen besonders auf zwei Dinge: immer vorher anklopfen und nie die Hand auf die eines Bewohners legen, sondern sie darunter schieben. »So kann der- oder diejenige sie jederzeit wegziehen und fühlt sich mir nicht ausgeliefert.«

Nach den rund zweistündigen Einsätzen ist der Künstler k.o., aber glücklich, denn: »Die Wärme, die man zurückbekommt, ist einfach wunderbar.« Natürlich gibt es auch Bewohner, die mit Clownseinlagen überhaupt nichts anfangen können, wie etwa Irmgard Winkler aus dem Mainzer AWO Seniorenzentrum »Am Rosengarten«. Was bringt die 86-Jährige denn zum Lachen? »Ein geistreicher Witz à la Loriot.« Keine Frage: Mit dessen feinsinnigen Sketchen haben die Deutschen wieder ihren Humor entdeckt. Schon bei der Erinnerung an den begnadeten Komiker graben sich bei der Generation 70 plus die Lachfalten tief ins Gesicht. Das zeigt sich bei einer Spontanbefragung im Kasseler AWO Altenzentrum »Käthe-Richter-Haus«. Alle der am Tisch sitzenden Bewohner verbinden mit Vicco von Bülow unbeschwerte Fernsehstunden im Kreise ihrer Familie.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit sorgten die Filme mit Heinz Rühmann für Abwechslung vom meist harten, entbehrungsreichen Alltag. »Die 90 Pfennige für den Eintritt ins Kino konnte ich mir damals nicht leisten«, sagt Anna von Löwenstein. »Aber ich hatte trotzdem immer viel Spaß in meinem Leben und kann mich bis heute über jeden Quatsch amüsieren.« Mitbewohnerin Edith Bargwitz erinnert sich an den ersten Maskenball: »Das war 1946 – das Tanzen fühlte sich unglaublich befreiend an.« Auch Musik ist bekanntlich ein Stimmungsaufheller. Die Singkreise in den jeweiligen AWO Seniorenzentren sind stets gut besucht. In Fuldabrück treten die »Fröhlichen Dörnhagener Musikanten« unter der sehr engagierten Chorleiterin Gisela Weber sogar öffentlich auf. Derzeit bestimmen Faschings- und Schunkellieder die wöchentlichen Proben der Bewohner, die sich danach viel beschwingter fühlen.

Bis heute gehört Karneval zu den Höhepunkten im Jahr und wird bei der AWO von Karlsruhe bis Kiel, von Köln bis Kröpelin groß gefeiert: mit Musik und bunter Dekoration, mit Büttenreden, Kostümen und Krapfenbacken.

Wie, Sie sind ein Karnevalsmuffel?

Macht nix. Lassen Sie aber den anderen die Freude, sich zu verkleiden und die fünfte Jahreszeit zu zelebrieren. Denn schließlich geht es bei dieser Maskerade und dem ganzen Getöse darum, den Winter zu vertreiben. Wenn dann der Frühling wieder sein blaues Band flattern lässt, kommt das Lächeln ohnehin von ganz allein.

Informationen über die Klinik-Clowns erhalten Sie im Internet unter:
www.klinikclowns.de
www.dachverband-clowns.de

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