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Gedichte zur Herbststimmung

7. Oktober 2014

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Herbstlicher Wald

Grauer Himmel, Regen und Wind? Der Herbst hat auch Schönes zu bieten. Zwei AWO Seniorinnen rezitieren die schönsten Gedichte zum Herbst.

Barbara Hartmann ist eine wahre Fundgrube bezüglich verschiedener Sprüche und Gedichte! Und natürlich ist ihr auch zum Thema Herbst sofort etwas eingefallen. Die folgenden Verse hat sie aus dem Stand rezitiert:


Herbst

Rezitiert von Barbara Hartmann, 95 Jahre aus dem AWO Seniorenzentrum »Bürgerstift« in Freilassing. Von Joseph Freiherr von Eichendorff

Es ist nun der Herbst gekommen,
Hat das schöne Sommerkleid
Von den Feldern weggenommen
Und die Blätter ausgestreut,
Vor dem bösen Winterwinde
Deckt er warm und sachte zu
Mit dem bunten Laub die Gründe,
Die schon müde gehn zur Ruh.

Durch die Felder sieht man fahren
Eine wunderschöne Frau,
Und von ihren langen Haaren
Goldene Fäden auf der Au
Spinnet sie und singt im Gehen:
Eia, meine Blümelein,
Nicht nach andern immer sehen,
Eia, schlafet, schlafet ein.

Und die Vöglein hoch in Lüften
Über blaue Berg und Seen
Ziehn zur Ferne nach den Klüften,
Wo die hohen Zedern stehn,
Wo mit ihren goldnen Schwingen
Auf des Benedeiten Gruft
Engel Hosianna singen
Nächtens durch die stille Luft.


Herbstgedanken

aufgeschrieben von Elisabeth Flory, 88 Jahre aus dem AWO Haus der Generationen »Remeyerhof« in Worms in rheinhessischer Mundart.

Wann der erste Nebel kummt,
wanns als schon im Ofe brummt,
wann daham is Korn und Gerscht
und der neie Süße erscht
und die Äppel und die Beere
un man dut schon Latwersch rühre.

Wann die Blätter vun de Beem
in die Halsang fallen em,
un man kann die Buwe sehn
uf die Stoppeläcker gehen,
wie sie sich mit ihren Drache
so en Mordsvergnüsche mache,
dann is Herbscht – ihr liebe Leit,
dann is Herbscht- und Drachezeit.

Wann die Buwe draus im Freie
als ihr Drache losse steie,
do gibt’s aach noch schöne Deg
un man macht sich uf de Weg,
nix wie naus mit Kind und Fraa,
des is gesund und billisch aa.

Wann man son Daag genießt,
sei Bekannte all begrießt,
»Na wie geht’s!«, hört ma nour:
»Wie Sie sehe, alles klor!«
Dass mer aach die Froch riskiert
»Na wie enaus.« (des haaßt spaziert).
Doch im Stille mancher denkt,
wann sei Fraa am Arm so hängt
und die Buwe mit de Drache
sich en Mordsvergnüsche mache:

»Ei, isch loss jo heit im Freie
aach emol mei Drache steie.«

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