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Vor dir ziehe ich meinen Hut

16. Januar 2012

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Fast ein halbes Jahrhundert Rockmusiker, Schöpfer der einzigartigen Likörelle, Schriftsteller seiner Autobiografien und vielfältiger Bildbände – kurz: ein Vollblutkünstler mit Haut und Haar. Udo Lindenberg ist ein Original. Mit Schlapphut und dunkler Sonnenbrille zieht der Altrocker mit seinem Panikorchester auch in 2012 wieder durch deutsche Lande.

„Ich mach’ mein Ding“ – das Motto der diesjährigen Tournee spricht Udo Lindenberg aus der Seele und bringt es mit wenigen Worten auf den Punkt. Denn der gebürtige Westfale, der bereits eine halbe Ewigkeit die Elbmetropole Hamburg sein Zuhause nennt, hat schon sein Leben lang gemacht, was er wollte. Und das war vor allem eines: Musik. Erst als Schlagzeuger, später als Sänger.

Sein erstes Schlagzeug bestand aus etlichen miteinander verbundenen Benzinkanistern.

Darauf trommelte er bereits als kleiner Junge in seinem Elternhaus in Gronau herum und entdeckte seine Leidenschaft und sein Talent zu Takt und Rhythmus. Als er mit 15 Jahren in einem Düsseldorfer Hotel eine Ausbildung zum Kellner anfing, saß er immer häufiger als Schlagzeuger in den Altstadtkneipen und trank lieber selbst den Whiskey anstatt ihn anderen Gästen zu servieren.

Das sieht heute etwas anders aus. Zwar trifft man den 65-jährigen nach wie vor sehr oft an seiner so genannten Haus- und Hofbar im Hamburger Atlantic Hotel, in dem er seit Jahren in seiner „Panikzentrale“ lebt. Den Whiskey jedoch hat er durch Tee ersetzt und befindet sich nach eigenen Aussagen auf dem Trockendock. Und wer genau hinsieht, entdeckt Udo Lindenberg – meist gut getarnt – auch hin und wieder mal beim Joggen rund um die Hamburger Alster.

Einzig das Zigarre rauchen, gehört seit jeher zu den Markenzeichen des Deutschrockers. 

Wie das Antlitz des Altkanzlers Schmidt verschwindet auch Udo Lindenbergs charakteristisches Profil allzu oft hinter einer großen Qualmwolke. Doch das stört keinen, solange Udo weiterhin seiner kreativen Ader freien Lauf lässt. Und das tut er. Vor fast genau einem Jahr feierte sein jüngstes Projekt in Berlin im Theater am Potsdamer Platz Premiere. Seither sahen Tausende Besucher das Musical „Hinterm Horizont“, das einen wichtigen Abschnitt aus Lindenbergs Leben musikalisch in Szene setzt. Es spielt im Jahr 1983 in Ost-Berlin und handelt von seiner Liebe zu einem Mädchen und seiner Rolle als Sänger zu den damaligen DDR-Zeiten.

Ein Kapitel in seinem Leben, das Udo Lindenbergs Schaffen sehr geprägt hat. Im selben Jahr entstand damals sein Lied „Sonderzug nach Pankow“, das in der ehemaligen DDR für große Diskussionen sorgte, denn der Panikrocker bat Honecker in einem Brief höchstpersönlich, in der DDR auf Tournee gehen zu dürfen. Im Rahmen einer Großveranstaltung trat Lindenberg tatsächlich mit vier Liedern im Ost-Berliner Palast der Republik auf, eine Tournee wurde ihm jedoch versagt. Erst nach dem Mauerfall im Jahr 1990 startete Udo gemeinsam mit seinem Panikorchester die erste Konzerttour im Osten Deutschlands.

Sein politisches Interesse bringt Udo Lindenberg auch in seinen Likörellen künstlerisch zum Ausdruck.

So zeigen seine Kunstwerke der so genannten Panikmalerei mit Eierlikör neben zeichnerischen Erinnerungen an die Zeiten aus Sex, Drugs & Rock’n’Roll unter der Schlagzeile „Das merkel ich mir“ zum Beispiel auch seine Begegnung mit der Bundeskanzlerin. Einige ausgewählte Werke des selbst ernannten „Strichers aus Sankt Pauli“ zieren sogar das Kanzleramt. Eine ständige Ausstellung der Likörelle ist darüber hinaus in der Sylter HOF-Galerie in Morsum sowie natürlich in seinem Hamburger Zuhause, dem Atlantic Hotel, zu sehen.

Die Idee zu dieser ganz eigenen Maltechnik entstand eher zufällig und wie sollte es anders sein – ganz Udo-like – an einer Kneipenbar als ein Eierlikörglas auf einen Bierdeckel kippte, den Lindenberg aus Gewohnheit mit seinem schnellen Strich verschönert hatte. Obwohl er das Malen ebenso wenig wie das Singen professionell gelernt hat, verdient das Multitalent sowohl mit seiner Musik als auch mit seinen Likörellen seinen Lebensunterhalt. Letztere gelten sogar als sichere Investitionsanlage auch für die neuen Besitzer, da sie aufgrund der aufwendigen Spraytechnik ewig halten sollen und im Gegensatz zu Aktien garantiert wertsteigernd sind.

Und was Udo anfasst, wird tatsächlich zu Gold.

Kurz nach seinem 65. Geburtstag in 2011 wurde sein aktuelles Album „Udo Lindenberg unplugged – Live aus dem Atlantic Hotel“ bereits nach drei Monaten mit fünffach Gold ausgezeichnet und kurz darauf mit dreifach Platin für 600.000 verkaufte CDs. Trotz seines rockigen und coolen Images hat Udo Lindenberg jedoch auch ein sehr weiches Herz. Vor allem für Kinder. Und mit denen teilt er seinen Erfolg gern. Seine Udo-Lindenberg-Stiftung engagiert sich seit 2006 unter anderem für humanitäre und soziale Projekte vor allem in Afrika. Aber auch kulturpolitisch bewegt die in Calw – der Heimatstadt von Hermann Hesse und großes Vorbild des Sängers – gegründete Stiftung viel.

Die unsagbare Vielseitigkeit des Stiftungsengagements spiegelt nicht zuletzt das Schaffen und die Unkaputtbarkeit ihres „An-Stifters“ wider. Trotz eines Herzinfarktes mit nur knapp über 40 sowie übermäßigen Alkohol-, Drogen- und Sexexzessen befindet sich Udo Lindenberg mit seinen fast 66 Jahren in seiner vielleicht größten kreativen Schaffensphase. Laut eigener Aussagen ist der Höhepunkt noch lange nicht erreicht. Und das glaubt man ihm gern. Denn er macht sein Ding.

Alle Infos und Termine unter: www.udo-lindenberg.de

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